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Die Europäische Zentralbank erhöht Druck auf Banken zum besseren Umgang mit Klimarisiken

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Trotz jüngster Verbesserungen müssen Banken Klima- und Umweltrisiken noch besser erkennen und steuern. Für den Finanzsektor gibt es gewichtige Gründe, um sich intensiv mit Umwelt- und Klimarisiken zu befassen. Diese stellen u.a. finanzielle Risiken dar, wenn sie sich z.B. als physische Risiken bei Vermögensschäden, wie z.B. Überschwemmungen, oder als Übergangsrisiken bei der rasanten Entwertung CO2-intensiver Wirtschaftsgüter materialisieren. Die EZB setzt den Banken dafür nun konkrete Fristen für die schrittweise Erfüllung aller aufsichtlichen Anforderungen bis Ende 2024. Zudem veröffentlicht EZB Best Practice Beispiele, um Banken bei der erfolgreichen Transformation zu unterstützen.


Banken sind noch weit davon entfernt, Klima- und Umweltrisiken angemessen zu managen


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 2. November 2023 die Ergebnisse ihrer thematischen Überprüfung veröffentlicht. Diese zeigen, dass Banken noch weit davon entfernt sind, Klima- und Umweltrisiken angemessen zu managen. Die EZB setzt den Banken nun gestaffelte Fristen, um schrittweise alle aufsichtlichen Anforderungen zu erfüllen, die sie in ihrem Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken im Jahr 2020 formuliert hat.


Die thematische Überprüfung ergab, dass inzwischen 85% der Banken zumindest über grundlegende Ansätze, wie z.B. ein Mapping der Risikopositionen und Risiko-KPIs verfügen, es aber immer noch an ausgereiften Methoden und detaillierten Informationen zu Klima- und Umweltrisiken mangelt. Der Bericht der EZB macht dabei auch deutlich, dass die Banken nach wie vor den Umfang und das Ausmaß solcher Risiken erheblich unterschätzen und infolgedessen fast alle Banken (96 %) Defizite bei der Erkennung dieser Risiken aufweisen.


Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine aktuelle Bafin-Studie. Demnach gaben lediglich 20 der 93 in die Analyse einbezogenen Banken an, überhaupt über entsprechenden Methoden zur Identifizierung von Nachhaltigkeitsrisiken zu verfügen.


Ein angemessenes Risikomanagement erfordert die Einbeziehung von Klima- und Umweltrisiken sowie deren Berücksichtigung in Bankenstrategie und Unternehmensführung


Die EZB hat nun institutsspezifische Fristen für die vollständige Anpassung an ihre Erwartungen bis Ende 2024 festgelegt:


1. Banken müssen Klima- und Umweltrisiken angemessen kategorisieren und bis spätestens März 2023 eine vollständige Bewertung der Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit vornehmen.


2. Bis spätestens Ende 2023 müssen Banken dann Klima- und Umweltrisiken in ihre Unternehmensführung, Strategie und ihr Risikomanagement einbeziehen.


Zwar haben einige Banken bereits damit begonnen ihre Geschäftstätigkeit an den Erfordernissen und Zielen einer kohlenstoffarmen Wirtschaft auszurichten und beginnen dabei auch aktiv den Dialog mit ihren Kunden zu suchen, dies gilt aber bei weitem noch nicht für alle.


Die Ergebnisse des EZB-Klimastress Test 2022 zeigen dabei die problematische Abhängigkeit der Institute von Co2-intensiven Umsätzen. Die teilnehmenden Banken des Stresstests erwirtschafteten 60% ihrer Zinserträge mit Unternehmen aus den 22 kohlenstoffintensivsten Sektoren.


Die Identifizierung und Einbeziehung von Klimarisiken und in einem zweiten Schritt deren Management, z.B. durch langfristige Dekarbonisierungsstrategien und einem aktiven Kundendialog wird deshalb für Banken und deren Kunden zunehmend wichtiger werden. Dies wird auch im Rahmen der neuen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) eine zentrale Rolle spielen. Betroffene Unternehmen müssen damit rechnen, dass der künftige Berichtsstandard den Beitrag des Unternehmens zur Klimaneutralität in den Mittelpunkt stellt und prüft, ob und inwieweit sich Unternehmen auf einem langfristigen Netto-Null-Zielpfad befinden und die dafür nötigen Maßnahmen umsetzen.


EZB unterstützt Banken mit „Good Practices“ Übersicht


Als Unterstützung zum adäquaten Management von Klima- und Umweltrisiken hat die EZB am 2. November eine Sammlung von „Good Practices“ veröffentlicht. Diese zeigt anhand von 26 Fällen aus 25 verschiedenen Institutionen die beispielhafte Umsetzung relevanter Risikosachverhalte, z.B. zu Materialität, Geschäftsstrategie, Governance und Risikomanagement.


Möchten Sie mehr darüber erfahren? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!


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