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Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse: Ein Überblick für Unternehmen

eine waage auf einem finger

Die Wesentlichkeitsanalyse spielt in der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen im Rahmen der Corporate Sustainability Directive (CSRD) eine zentrale Rolle und ist in der Delegierten Verordnung EU 2023/2772 zu den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) geregelt.

 

Sie dient dazu, die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen (IRO) und damit die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen des Unternehmens, die in der Berichterstattung offengelegt werden sollen, zu identifizieren und zu bewerten. In diesem Artikel wollen wir die doppelte Wesentlichkeitsanalyse näher beleuchten und praktische Hinweise zu ihrer Durchführung geben.

 

Was ist die doppelte Wesentlichkeitsanalyse?

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist ein Konzept, das sich auf die Bewertung von zwei maßgeblichen Dimensionen von Nachhaltigkeit bezieht.

 

  1. Auswirkungs-Wesentlichkeit: Bildet die tatsächlichen und potenziellen positiven und negativen Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft ab, z.B. Umweltverschmutzung oder die positive Bedeutung als Arbeitgeber in der Region.

 

  1. Finanzielle Wesentlichkeit: Bildet die finanziellen Chancen und Risiken von Nachhaltigkeitsaspekten auf das Unternehmen ab, z.B. sinkende Profitabilität aufgrund steigender CO2-Abgaben.


Die zwei Dimensionen der Wesentlichkeit

Obwohl eine Wechselbeziehung zwischen den beiden Dimensionen besteht, ist es wichtig, die Wesentlichkeit von Auswirkungen unabhängig von der finanziellen Wesentlichkeit zu betrachten und zu definieren. Nachhaltigkeitsaspekte sind wesentlich, wenn sie einer oder beiden Dimensionen der Wesentlichkeit entsprechen. 

 

Was ist auf Wesentlichkeit zu prüfen?

Die ESRS schreiben vor, dass ein berichtspflichtiges Unternehmen mindestens alle Auswirkungen, Risiken und Chancen für die in der sogenannten Anwendungsanforderung AR16 (Anhang A ESRS 1) aufgeführten Themen in der Wertschöpfungskette auf Wesentlichkeit prüfen muss. Diese umfassen die drei Bereiche Umwelt, Soziales und Governance mit ihren Themen (z.B. Wasser- und Meeresressourcen), Unterthemen (z.B. Wasser) und Unter-Unterthemen (z.B. Wasserentnahme). Die Feststellung der Wesentlichkeit kann auf allen drei Themenebenen erfolgen und entsprechend zur Berichterstattung verpflichten.

 

Die Bewertungskriterien für die Wesentlichkeitsanalyse sind vom berichtspflichtigen Unternehmen selbst festzulegen und können qualitative und quantitative Schwellenwerte umfassen, die über wesentliche und unwesentliche Nachhaltigkeitsaspekte entscheiden. Üblich ist die Verwendung von Skalen, z.B. mit fünf oder zehn Abstufungen. 

 

Wie wird die doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt?

Eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse erfordert ein strukturiertes Vorgehen und die Einbeziehung interner und externer Stakeholder. Im Folgenden sind einige Schritte aufgeführt, die Unternehmen bei der Durchführung beachten sollten.

 

  1. Überblick über den Unternehmenskontext: Zunächst ist es wichtig, den Kontext des Unternehmens mit seinen relevanten Aktivitäten und Geschäftsbeziehungen sowie den relevanten Stakeholdern zu erfassen.

 

  1. Identifizierung relevanter Themen: Aufbauend auf dem Kontext muss das Unternehmen das gesamte Spektrum möglicher Auswirkungen, Chancen und Risiken und deren Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen. Am Ende dieses Schrittes steht die Erstellung einer Long List.  

 

  1. Qualitative und quantitative Schwellenwerte festlegen: Wie oben bereits erwähnt sollten Unternehmen nun qualitative und quantitative Schwellenwerte festlegen, um die identifizierten relevanten Themen in wesentliche und unwesentliche Nachhaltigkeitsaspekten zu klassifizieren.

 

  1. Risikoadjustierte Bewertung: Wichtig ist dabei auch eine risikoadjustierte Bewertung. Das bedeutet, dass nicht nur die wahrscheinlichsten Ergebnisse berücksichtigt werden, sondern auch Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber hohem Schadensausmaß.

 

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist ein wichtiger Schritt für Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verbessern und einen umfassenden Überblick über ihre Auswirkungen, Risiken und Chancen zu erhalten. Dadurch können sie nicht nur das Vertrauen der Stakeholder gewinnen, sondern auch langfristige Marktchancen nutzen und eine nachhaltige Wertschöpfung sicherstellen, um den langfristigen Unternehmenserfolg zu fördern.

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